Jesus und das Christentum

Kaum eine Gestalt der Weltgeschichte hat die Menschheit so nachhaltig geprägt wie Jesus von Nazaret. Geboren wurde er nach heutigem Forschungsstand zwischen 6 und 4 v. Chr. als Jude in Galiläa, einer Region, die damals unter römischer Oberherrschaft stand. Dass er tatsächlich gelebt hat, bestreiten Fachleute für die Antike praktisch nicht. Die frühesten Zeugnisse sind die Briefe des Apostels Paulus, die um das Jahr 50 entstanden und damit nur zwei Jahrzehnte nach Jesu Tod. Hinzu kommen die vier Evangelien, die etwa zwischen 70 und 100 n. Chr. niedergeschrieben wurden, sowie nichtchristliche Autoren. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus erwähnt Jesus und dessen Bruder Jakobus. Der römische Historiker Tacitus berichtet um das Jahr 116, dass „Christus“ unter Pontius Pilatus hingerichtet wurde. Zwei Ereignisse gelten in der Forschung als nahezu unumstritten: Jesus ließ sich von Johannes dem Täufer taufen, und er wurde unter Pilatus gekreuzigt, vermutlich im Jahr 30 oder 33.

Botschaft und Wirken

Jesus trat als Wanderprediger und Lehrer auf. Im Zentrum seiner Verkündigung stand das Reich Gottes, das er als nahe herbeigekommen beschrieb. Er meinte kein politisches Machtgebilde, sondern eine Herrschaft der Liebe, der Gerechtigkeit und der Vergebung. Er erzählte Gleichnisse wie die vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Samariter. In der Bergpredigt sprach er von Feindesliebe und Gewaltlosigkeit, und das gesamte Gesetz fasste er im Doppelgebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten zusammen. Auffällig ist, mit wem er Tischgemeinschaft pflegte: mit Zöllnern, Kranken, Frauen und Menschen am Rand der Gesellschaft. Die Evangelien berichten außerdem von Heilungen und Wundern. Historiker können diese Berichte nicht überprüfen, halten aber fest, dass Jesus schon zu Lebzeiten als Heiler galt.

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Jesus Christus im Gespräch mit anderen Menschen
Kreuz und Auferstehung

Seine Botschaft brachte ihn in Konflikt mit der religiösen Führung in Jerusalem und mit der römischen Besatzungsmacht. Er wurde als vermeintlicher Aufrührer verurteilt und starb am Kreuz, einer Strafe, die Rom vor allem für politische Rebellen vorsah. Mit diesem Tod hätte die Geschichte enden können. Doch die Jünger bezeugten, der Gekreuzigte sei von den Toten auferstanden und ihnen erschienen. Paulus gibt im ersten Korintherbrief ein Bekenntnis weiter, das er selbst schon „empfangen“ hatte und das damit in die allerersten Jahre zurückreicht. Ob die Auferstehung ein wirkliches Ereignis war, lässt sich mit den Mitteln der Geschichtswissenschaft weder beweisen noch widerlegen (anders als in der Bibel, da ist die Auferstehung von Jesus ein zentraler Inhalt), denn sie ist eine Glaubensaussage. Historisch greifbar ist dagegen ihre Wirkung: Aus verängstigten Anhängern wurde binnen kurzer Zeit eine Bewegung, die sich auf den Weg durch das Römische Reich machte.

Von der kleinen Gruppe zur Weltreligion

Das Christentum entstand zunächst als Strömung innerhalb des Judentums. Seinen Charakter als weltweite Religion verdankt es nicht zuletzt Paulus, der die Botschaft zu den Nichtjuden brachte. Den Namen „Christen“ erhielten die Anhänger nach der Apostelgeschichte erstmals in Antiochia. Trotz Verfolgungen wuchsen die Gemeinden, bis Kaiser Konstantin 313 mit dem Mailänder Edikt Religionsfreiheit gewährte. Das Konzil von Nizäa formulierte 325 zentrale Glaubensinhalte, und 380 erhob Kaiser Theodosius das Christentum zur Staatsreligion.

Spätere Spaltungen gliederten die Christenheit in drei große Zweige: 1054 trennten sich Ost und West in orthodoxe und katholische Kirche, und im 16. Jahrhundert entstand durch die Reformation der Protestantismus. Die Kirchengeschichte kennt Licht und Schatten. Bildung, Krankenpflege, Klöster und gelebte Nächstenliebe stehen neben Kreuzzügen, Inquisition und Judenfeindschaft.

Was Christen glauben und was bleibt

Im Mittelpunkt des christlichen Glaubens steht die Überzeugung, dass in Jesus Gott selbst Mensch geworden ist, dass sein Tod am Kreuz Versöhnung zwischen Gott und Mensch bewirkt hat und dass er lebt. Nach Angaben des Pew Research Center zählte das Christentum im Jahr 2020 rund 2,3 Milliarden Anhänger, knapp 29 Prozent der Weltbevölkerung, und bleibt damit die größte Religion der Erde. Zwar schrumpft sein Anteil in Europa, doch im Globalen Süden, vor allem in Afrika, wächst es weiter. Wer sich mit Jesus beschäftigt, begegnet einem Menschen aus einem unbedeutenden Dorf, dessen Worte Kunst, Recht, Sprache und Ethik bis heute durchdringen. Ob man ihm als Lehrer, als Vorbild oder als Sohn Gottes begegnet, ist die Frage, die jeder Mensch für sich selbst beantworten muss.

Auf der Seite „Die Geschichte des Christentums“ und „Den Weg zu Jesus finden“ erfährst du mehr über den christlichen Glauben und Jesus und wie du seine Lehren im heutigen Alltag leben kannst.

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